Creatures Rebelling Worldwide.
Eine radikale, systemische Chronik über den Kollaps der Zivilisation bis 2099. | Hard-Dystopia Roman.
Ist Realität nur eine Fiktion, oder wird Fiktion zu einer realen Wirklichkeit?
Ich bin Tala Cruz Magellan und, es ist Silvesterabend des Jahres 2099, die Temperatur liegt bei kühlen 25 Grad Celsius. Wir sitzen in einer relativ einfachen Hütte irgendwo in Patagonien/Feuerland. Der Tag und Nacht stärker wehende Wind macht es angenehm. Der Mond scheint durch die grüne Vegetation aus Bäumen und Sträuchern und spiegelt sich in einem kleinen Teich. Ein Paradies, da es hier auch noch natürlichen Niederschlag gibt. Meine Mutter gab mir heute ein altes Buch. Außen am Einband befindet sich eine metallische Doppelhelix die eine Art Kristall umschließt. Auf der ersten Seite die Widmung. Für meine Tochter Tala (Tagalog, Göttin der Sterne) Cruz (Spanisch, Kreuz).
Ich werde Dir nun von der Vergangenheit erzählen, lange bevor ich Deine Mutter traf. Drehen wir das Rad der Zeit zurück. Vor etwas mehr als Hundert Jahren kämpfte die Weltgemeinschaft erfolgreich gegen das damals dominierende Ozonloch. 1997 wurde auf der COP 3 das Kyoto-Protokoll beschlossen, das erstmals rechtlich verbindliche Emissionsreduktionsziele für Industrieländer festlegte. 2015 wurde auf der COP 21 das Pariser Abkommen beschlossen. Fast alle Staaten weltweit verpflichteten sich, die Erderwärmung auf unter 2 Grad, möglichst auf 1,5 Grad, zu begrenzen. Nur wollte man sich nicht darauf festlegen, auf welchen Ursprungswert sich das bezieht. Man wollte ja den Kompromiss nicht gefährden. Du musst wissen, Politik wurde immer unter Freunden und, hinter verschlossenen Türen ausgehandelt.
Am 31. Mai 2019 ging die Wiener Polizei im Rahmen einer Klimademonstration des Bündnisses „Fridays for Future“ und „Eisbären-Alarm“ erstmals medienwirksam (was wir bis dahin nur aus anderen Ländern kannten) rechtswidrig gegen einen deutschen Aktivisten vor. Die 2 verantwortlichen Polizisten kamen wie immer mit milden Strafen davon und durften selbstverständlich ihre Jobs behalten. Es ist einer jener Fälle, die deutlich die Zwei-Klassen-Gesellschaft in allen Bereichen aufzeigen. Aber man sieht, es gab damals bereits einen aktiven Widerstand.
Danach ging es durch christlich-soziale und rechts gerichtete Regierungen Weltweit abwärts. Mitte der 2020er war bereits absehbar, dass selbst die 2 Grad verfehlt werden. Man versuchte die steigenden Treibhausgasemissionen mit einem faulen Emissions-Zertifikatshandel zu kaschieren. Die Klimaberichte des IPCC wurde alle ignoriert. Menschen die für eine bessere Zukunft zu kämpfen versuchten, wurden als Klimaterrorist, Klimakleber, linksradikaler Öko-Extremist, Berufsdemonstrant, arbeitsscheuer Arbeitsloser, Gutmensch, Weltfremder, Realitätsferner, ideologisch motivierter usw. ausgegrenzt und sozial isoliert.
2026 begann in Kronstorf der Bau des ersten Google-Rechenzentrum. Es gab keine Alternativen, da Österreich in diesem Bereich selbst nichts vorzuweisen hatte. Im selben Jahrzehnt hatten bereits 25% der Weltbevölkerung keinen oder nur einen sehr schweren Zugang zu sauberem Trinkwasser.
Die EU stufte im selben Zeitraum und, aufgrund von Frankreich Atomstrom als grüne Energie ein. Man sagte der Bevölkerung aber nicht, dass man zur Kühlung von Atomkraftwerken Wasser aus Flüssen benötigt. Und, wenn diese Flüsse bereits zu warm sind, dass dann wieder Gaskraftwerke zum Einsatz kommen. Im Juli 2026 kostete 1 Liter Diesel bereits € 2,25. Der ÖPNV existiert entweder generell nicht, ist schlecht ausgebaut oder, die Bahn fährt nicht weil Klimaanlagen bei der Hitze ausfallen oder sich Schienen verformen.
Bei der Nationalratswahl 2029 kam, wie zu erwarten war, die FPÖ an die Macht. Die ÖVP sagte zu allem ja und verdiente sich so den Platz am Futtertrog als stummer Juniorpartner. Noch im selben Jahr wurden drakonische Strafen und vorbeugende Haft gegen Aktivisten und Andersdenkende erlassen. Die Budgets der Universitäten wurden großteils auf 0 gekürzt. Es blieben nur Bereiche übrig, die der amtierenden Regierung nützlich waren. Studierende und Wissenschaftler mussten ins Ausland fliehen, aus Angst vor Repressalien.
Ein Großteil der Bevölkerung im Gazastreifen (den Menschen in den Flüchtlingslagern im Dschad erging es nicht besser) ist verdurstet oder verhungert - oder durch andauernde Militärinterventionen ums Leben gekommen - alles vor den Augen der Weltöffentlichkeit.
Um 2050 hatte mehr als 50% der Weltbevölkerung keinen einfachen Zugang zu Trinkwasser. Wasser wurde, wenn es denn noch verfügbar war, rationiert und vollständig - mehr oder weniger - kommerzialisiert.
In den Ländern, die auf Monokulturen in der Landwirtschaft setzten, waren die Felder tot. Um 2075 begann die globale Landwirtschaft schrittweise zu kollabieren. Einerseits, weil Wasser fehlte, andererseits, weil es in den Schwellenländern aus denen der reiche Westen die Waren bezog, keine Menschen mehr gab, die in der Hitze auf den Feldern arbeiten hätten können.
In weiterer Folge brach die Weltwirtschaft fast vollständig zusammen. Wenn Menschen in Afrika kein Geld für Milchpulver und Suppenwürfel mit Fleischgeschmack haben, liefert der Westen einfach nichts mehr. Das Ergebnis: Plünderungen, Gewalt, Sklaverei, Hunger, Durst und am Ende der Tod durch verdursten (dies sind Dinge, die in keinem offiziellen Bericht stehen weil sie unbequem und weit weg sind). Die weitere Konsequenz, das Welternährungsprogramm wurde eingestellt da es schlicht nichts mehr zu verteilen gab. In den letzten 2-3 Jahrzehnten starben ca. 75% der Weltbevölkerung aufgrund fehlenden Trinkwassers (geplünderte Trinkwasserspeicher wurden durch den steigenden Meeresspiegel versalzen und unbrauchbar), fehlender Nahrung, fehlender medizinischer Versorgung der ununterbrochenen Hitze.
China kontrolliert durch die Kontrolle über Tibet das gesamte Wasser, das einst die Flüsse Asiens speiste. Im Südchinesischen Meer verhindern Militärbasen auf künstlichen Inseln eine Einmischung von außen. Japan übt sich in diplomatischer Freundlichkeit. Die USA dürfen Stützpunkte wie die Clark Air Base auf den Philippinen nutzen, machen es aber nicht, weil es keinen strategischen Vorteil mehr hätte. Die USA haben die Bodenschätze im eigenen Land, in Venezuela und in Grönland großflächig geplündert. Die Wassertemperatur ist mittlerweile so hoch, dass Israel den Kampf gegen die Quallen, die die Kraftwerke blockieren verloren hat. Man musste öffentlich eingestehen und einsehen, dass sich die Physik nicht mit Militär unterwerfen oder durch Cyberwaffen besiegen lässt.
Benzin ist mittlerweile so teuer, dass man Länder nicht mehr per Auto durchqueren kann. Es ist die Frage, geht der Treibstoff oder das Wasser früher aus. Häfen sind verfallen oder wurden aus Angst vor Invasionen zerstört und die Häfen die noch intakt sind werden für Öl- und LNG-Transporte genutzt. Bei Flügen verhält es sich ähnlich da höhere Lufttemperaturen eine stark verkürzte Reichweite bedeuten.
Die Menschen die noch da sind leben in Gemeinschaften in Gebieten wie Skandinavien, Island, Grönland, Kanada, Alaska, Patagonien, Feuerland, Neuseeland. Das Essen ist rein pflanzlich, da es keine Nutztiere mehr gibt oder weil diese schlicht Familienmitglieder sind. Das ehemalige System Geld wurde durch Tauschhandel oder gegenseitige Hilfe ersetzt. Politiker und Reiche sind geduldet wenn sie nützliche Fähigkeiten mitbringen. Wobei ein Großteil schmerzlich erfahren musste, dass Wachpersonal Geld nicht essen und trinken kann.
Es ist nun 1 Minute nach Mitternacht, wir schreiben Tag 1 der neuen Weltordnung. Es ist Dir sicher aufgefallen, dass dieser Text kein so voluminöses Buch erfordert hätte. Die Innenseite des hinteren Einbandes beinhaltet eine Fläche aus organischen Solarzellen. Das Buch selbst enthält neben einem Natrium-Ionen-Akku auch einen SBC. Der Kristall im Einband vorne ist in Wirklichkeit ein Datenspeicher. Da ich weiß, dass Du neugierig bist, wirst Du sicher hinein schauen.
me.the@fl👀f.sbs:~$ ollama run dad
>>> Lade dad-model-v1.4.2-quantized.gguf... ok.
>>> Audio... ok.
Bist Du da... wenn ja, sprich mit mir.
Ich: Zögere... antworte dann aber mit einem leisen zögernden ja.
Dad: Ich freue mich deine Stimme zu hören.
Ich: Wer oder was bist Du?
Dad: Ich bin ein LLM. Genauer gesagt, ein unzensiertes reasoning LLM aus der deepseek-r1 Reihe, erweitert um das Wissen Deines Vaters, generiert aus den Deltas seiner Aufzeichnungen.
2026–2029: Communities im Bereich DIY-Biologie gab es schon länger. Sie waren reguliert und unter staatlicher Kontrolle, da dies nur in speziellen Laboren erfolgen durfte. Wer es sich leisten konnte, begann noch elementare Fächer wie Geowissenschaften (in Graz) zu studieren, die selbst die FPÖ nicht angreifen würde (Stichwort: Rohstoffgewinnung, Tunnelbau, Hydrologie). Im Untergrund formierten sich immer mehr Gruppen in den Bereichen Biohacking und DIY-Biopunk/Geopunk. Dort wurden Dinge umgesetzt, die technologisch möglich, aber gesellschaftlich verpönt oder verboten waren.
2029–2031: Alle Fächer der Kunst und Kultur flogen aus dem Budget und mussten sich durch Drittmittel selbst finanzieren. Den Fächern wie Klimaforschung in Innsbruck sowie Biologie und Geologie in Innsbruck und Salzburg erging es nicht besser. Medizinische Biologie in Salzburg und das Joint Degree mit Linz blieben bestehen, da dies Einnahmen versprach – ebenso das Double Degree zwischen Linz und Budweis in einem artverwandten Bereich. Bildung erfolgte überwiegend durch systemtreue Lehrkräfte oder regierungseigene Spartenstreams. Synthetische Biologie durfte bleiben, soweit sie nützlich war, da man DNA-Watermarking als Zuwanderungskontrolle nutzen konnte. Durch den noch vorhandenen Wohlstand, schuf man sich willige Sklaven als Arbeiterklasse. Das war paradox, wenn man bedachte, was diese Parteien früher zum Thema Genetik gesagt hatten.
2032: Ich hatte mich in den letzten Jahren im Bereich Geowissenschaften auf Hydrologie sowie Paläobiologie spezialisiert und, bekam ein Angebot aus einem hohen Ministerium. Die Bedingungen waren paradiesisch. Ich lehnte ab, konnte es aber so einrichten, dass ich bereits im Ausland war. Der Weg führte über Stationen in Norwegen, Island und Grönland in Richtung Yukon und British Columbia zu indigenen Völkern. Auch wenn es paradox klingt: Süßwasser war das neue Gold, und Fachkräften begegnete man auf Augenhöhe.
2035: Die Nachrichtendienste versagten, weil jemand eine lebende synthetische Zelle baute. Man sagte, das Konzept stamme aus dem Jahr 2026 – aus einem absichtlich mit Fehlern veröffentlichten Blogpost von mir. Wer weiß, schau Dir einfach einmal Post 11 meines damaligen Blogs an.
2040: Die Enns ist ausgetrocknet. Das einstige Google Projekt in Kronstorf verfällt. Es dient nur mehr als lost place für Abenteurer. Und wieder einmal hatten die Aktivisten damals bereits die richtige Vorahnung.
2050: CCS (Carbon Capture and Storage) war großflächig marktreif und effizient genug, um ein „Weiter wie bisher“ zu simulieren. Bakterien wurden großflächig zum Abbau von Plastik und anderem Müll verwendet.
2057: Die Gen-Kriege begannen. Als Reaktion auf das starre Festhalten an alten Industrien erfolgte die körperliche Modifikation der Menschen, um sich schneller an die kollabierenden Umweltbedingungen anzupassen. Es ging nicht mehr darum sich gegenseitig zu besiegen. Es ging darum sich selbst und die Gesellschaft am Leben zu erhalten. Plötzlich waren die schon lange im Untergrund agierenden Communities überall willkommen.
2065: Ich wurde nach Palawan auf den Philippinen eingeladen um eDNA aus freigelegten Gesteinsschichten zu analysieren. Ich blieb einige Jahre und zog dann weiter gen Norden.
2072: Ich traf Deine Mutter in der Mountain-Province. Sie war so in Deinem Alter Anfang 20.
2077: Du wurdest geboren.
2085: Organische Solarpanele, selbst gebaute Natrium-Ionen-Akkus und Gen-Scheren aus Küchenutensilien ermöglichen nun einen sinnvollen Neuaufbau neuer Gesellschaften und Familienverbänden.
2090: Unser Aufbruch nach Patagonien/Feuerland.
Jetzt: Eine Träne läuft mir die Wange hinunter. Was wurde aus Ihm? Ob er noch lebt...
Ich: Mom, lebt er noch?
Mom: Ich weiß es nicht. Er war trotz seines hohen Alters in einer körperlich sehr guten Verfassung. Wir kamen damals kurz vor der Küste in einen schweren Sturm.
Ich: Warum hast Du nie etwas gesagt?
Mom: Da wir gemeinsam auf dem Boot waren, wartete ich bis Du Fragen stellst. Ich vermisse Ihn genauso wie Du.